Kürzlich war es endlich soweit: Die Alzheimer Gesellschaft Hamburg hat für Menschen mit beginnender Demenz in einem ehemaligen Laden den Treffpunkt "Litzowstraße 20" eröffnet und damit ihr Angebot als Anlaufstelle für Erkrankte im frühen Stadium und ihre Angehörigen erweitert. Der Ausbau des Projektes war aufgrund der steigenden Nachfrage dringend notwendig und durch die großzügige Finanzierung der G. u. L. Powalla Bunny's Stiftung schließlich auch möglich geworden. Gestartet war das Projekt 2007 mit einer monatlichen Gesprächsgruppe, doch im Laufe der Zeit kristallisierten sich weitere Bedürfnisse der Teilnehmer heraus. So umfasst das Projekt neben dem Angebot der persönlichen Beratung mittlerweile zwei Gesprächsgruppen, eine Malgruppe, eine Gedächtnis- und Bewegungsgruppe, zwei Tagestreffgruppen, sowie einen "Alzheimer-Chor" für Erkrankte und Nicht-Erkrankte, der von der Louise Homann-Stiftung gefördert wird.
"Zu Beginn der Erkrankung nehmen die Betroffenen sehr bewusst wahr, wie ihre geistigen, aber auch ihre alltagspraktischen Fähigkeiten nachlassen", erklärt Utah Engler, Leiterin einer Gesprächsgruppe. Diese schmerzhafte Erfahrung verbindet alle Früherkrankten, auch über individuelle und soziale Unterschiede hinweg. Viele Erkrankte trauen sich selbst immer weniger zu und ziehen sich schließlich von ihrem Umfeld zurück. "Wir bringen Menschen zusammen, die ähnliche Schwierigkeiten haben und die im Austausch voneinander lernen können", so Engler. Die Gruppentreffen bieten einen vertrauten Rahmen, um über die eigenen Sorgen und Nöte sprechen zu können. So bewegt die Teilnehmer immer wieder die Frage, wie sich die nachlassenden Gedächtnisleistungen auf die Partnerschaft oder das Verhältnis zu den Kindern auswirken. "Früher habe ich die Entscheidungen getroffen, jetzt muss alles meine Frau übernehmen", so fasst es ein ehemaliger Manager aus der Gesprächsgruppe zusammen. Die Teilnehmer sehen, dass sich die Rollenverteilung in der Familie verändert, und eine große Sorge besteht, den Angehörigen zur Last zu werden. Die alleinstehenden Teilnehmer wiederum beschäftigt die Frage, wie es für sie weiter geht, wenn die Demenz voranschreitet. Es sind die ganz persönlichen Herausforderungen im Alltag, die für jeden Einzelnen im Mittelpunkt stehen und so auch die Frage, wie offen man im Freundeskreis mit der Erkrankung umgehen kann. Manch persönliches Anliegen mag nicht jeder in der Gruppe thematisieren, und deshalb kann über den Austausch in den Gruppen hinaus zusätzlich auch Einzelberatung in Anspruch genommen werden.
Aber nicht alle Früherkrankten können oder wollen sich intensiv mit der Demenz auseinandersetzen. In der Malgruppe, der Gedächtnisgruppe und auch im Chor steht das gemeinsame Erleben im Vordergrund, im Tagestreff werden regelmäßig Ausflüge unternommen. Die Treffen werden durch die Teilnehmer aktiv mitgestaltet. Viele Teilnehmer haben für sich Aufgaben gefunden, für die sie sich zuständig und verantwortlich fühlen und schöpfen aus der Anerkennung der Gruppe wichtige Selbstbestätigung. Das breite Spektrum an Gruppenangeboten macht es möglich, den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das wesentliche Ziel unseres Projektes aber bleibt es, die an einer beginnenden Demenz erkrankten Menschen zu aktivieren und ihnen über das Gruppengeschehen Wertschätzung und Lebensfreude zu vermitteln.
Maren Niebuhr-Rose, Alzheimer Gesellschaft Hamburg e. V.
Quelle: Alzheimer Info, Ausgabe 4/11, Seite 4
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